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 Fachgruppe Verwaltung

 

Dritte Tagung der Fachgruppe Verwaltung des BDS

„Verwaltungsmodernisierung – Eine Aufgabe der Soziologie"

 

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Am 16. und 17.Oktober 2009 fand in Fröndenberg/Ruhr die dritte Tagung der Fachgruppe Verwaltung statt. Unter dem Thema "Verwaltungsmodernisierung – Eine Aufgabe der Soziologie" trafen sich Soziologinnen und Soziologen, die in der Verwaltung arbeiten oder gearbeitet haben, über Verwaltung forschen oder Verwaltungen beraten. An der Tagung nahmen insgesamt 16 Personen aus Wissenschaft, Beratung  und  Praxis teil. Im Zentrum der Vorträge und Diskussionen standen Fragen der Verwaltungsmodernisierung und Personalentwicklung und das Thema Korruption.

Der erste Tag hatte den Themenschwerpunkt Veränderung.
Zunächst begrüßten Herr Dr. Stark und Herr Marquardt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In der sich anschließenden Vorstellungsrunde wurden die Erwartungen an die Tagung geäußert. Deutlich wurde der Wunsch nach Erfahrungsaustausch untereinander und nach einer Positionsbestimmung im Dialog zwischen Verwaltungspraxis und Soziologie bei Veränderungen in den Verwaltungen.
Uwe Marquardt, Düsseldorf, gab einen Überblick über die Arbeitsbereiche  von Soziologinnen und Soziologen in der Verwaltung aufgrund einer Auswertung von 900 Adressen berufstätiger Soziologen/Soziologinnen außerhalb von Forschung und Lehre. Er gab einen umfassenden Überblick über die Berufsfelder für Soziologen in der öffentlichen Verwaltung. Neben Aussagen zur Zahl der Soziologen in der öffentlichen Verwaltung und ihrer Verteilung nach Körperschaftstyp und Ressorts gab er einen Überblick zu Aufgaben und Tätigkeiten von Soziologen in der öffentlichen Verwaltung, sowohl im Hinblick auf die Querschnittsaufgaben als auch bezüglich der Fachaufgaben. 
Heiko M. Kosow, ehemals Regierungsvizepräsident bei der Bezirksregierung Arnsberg, schilderte den Nutzen sozialwissenschaftlicher Kenntnisse exemplarisch an den Veränderungsprozessen bei einer Bezirksregierung in NRW. Am Beispiel der Eingliederung von staatlichen Sonderbehörden in die allgemeine innere Verwaltung zeigte er die Bedeutung von kommunikationstheoretischen Erkenntnissen für die Prozessgestaltung, die Veränderungsfortbildung und beim Führen über Ziele, sowie beim Umgang mit Angst, Gerüchten und Widerstand.
Hans Wietert-Wehkamp referierte über soziale Innovationen im Kontext kommunaler Steuerungsprozesse am Beispiel der Beteiligung Externer bei internen Prozessen. Dabei ging es u.a. um den Umgang mit dem demographischen Wandel, die Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften und die Integration von zugewanderten Menschen. Dabei sind Fragen zu beantworten, wie langfristig angelegte Prozesse implementiert und kommunales Management so weiterentwickelt werden kann,  dass eine permanente Weiterentwicklung im Sinne einer lernenden Organisation ermöglicht wird.
Dr. Lars Holtkamp, FU Hagen. stellte als Gegenmodell zum gescheiterten Modell der neuen Steuerung die Bürgerkommune vor. Als Leistungen der Bürgerkommune nannte er die höhere Akzeptanz von Entscheidungen bei mittlerem Konfliktniveau, die Stärkung des Interesses und der Diskussionen über Kommunalpolitik, neue Informationen und Ideen für die Kommunalpolitik und die höhere Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit den kommunalen Dienstleistungen. Den Möglichkeiten der stärkeren Bürgerbeteiligung stünde allerdings die Gefahr der Entdemokratisierung aufgrund der kommunalen Finanzkrise (Sparkommissare) gegenüber.

Der zweite Tag hatte die Themenschwerpunkte: Personalentwicklung und Korruption.
Zunächst berichtete Dr. Erich Behrendt, imk-media Recklinghausen, über die Entwicklung eines Konzeptes für die IT-Fortbildung am Beispiel der Justizverwaltung NRW.
Dr.Carsten Stark, Hof, schilderte die Verwaltungsmodernisierung in Bayern am Beispiel der Fortbildung der Führungskräfte der Finanzverwaltung und der Polizei.
Dr. Elke Wiechmann, Fröndenberg, ging in einem lebhaft diskutierten Vortrag auf Aspekte der Gleichstellung bei der Verwaltungsmodernisierung ein. Versteht man Verwaltungsreform als Reorganisations-, aber auch als Umverteilungsprozess mit offenem Ausgang,  bei dem niemand weiß, mit welchen negativen oder positiven Effekten  für die eignen Interessen zu rechnen ist, zielt der Umverteilungsprozess im Sinne der  gleicher Teilhabe der Geschlechter als innovative Gleichstellungspolitik unmissverständlich auf eine Gruppe – die Großgruppe der Männer, die zunächst einmal zugunsten der Frauen abgeben müssen.
Prof. Dr. Peter Graeff, Düsseldorf, referierte das Verhältnis von Korruption und Mobbing in Theorie und Empirie. Er stellte klar, dass die Beziehung zwischen den Phänomenen kein Definitionsproblem sei. An die Darstellung der Ähnlichkeiten und Unterschiede stellte er den typischen Ablauf des Mobbings dar. An die Hinweise für die Praxis zum Verhältnis von Korruption und Mobbing erläuterte er die Bedeutung für die Vorgesetzten. In seinem Fazit stellte er u.a. fest, dass Mobbing ein Mittel sei, korrupte Praktiken zu verschleiern und Mobbing als Mittel eine gesetzt werden kann, nicht kooperative Korruptionspartner zu entfernen und damit Mobbingprozesse als Instrument zur Absicherung von Korruptionvorgängen erkannt werden können.
Eng verbunden mit diesem Thema war der Vortrag von Dr. Thomas Faust „Whistleblowing – Beamtenpflicht oder Nestbeschmutzung?“ An die Darstellung der aktuellen Rechtslage zur Hinweisgebung auf mangelhaftes oder rechtswidriges Verwaltungs- oder Organisationsverhalten schloss sich ein Vergleich USA versus Bundesrepublik Deutschland an. An den Vergleich von Struktur und Prozess bzw. Legitimität und Illegitimität  beim Whistleblowing schlossen sich die Herausforderungen für Bedienstete, Dienstherren und Stakeholder und ein Ausblick an.

Diskussionsergebnisse
Neben den Vorträgen blieb viel Zeit zum Diskutieren, z.B. zum Übergang zwischen Studium und Beruf und über Qualifikationen und Tätigkeiten von Soziologen in der Verwaltung. Die vielen inhaltlichen Gespräche fasste Dr. Carsten Stark am Ende zusammen: Was ist Soziologie in der Verwaltung? Nur Analyse oder auch Veränderung? Wenn Veränderung ein gemeinsames Ziel von Verwaltungssoziologen sein sollte;  verfügen diese dazu über besondere Fähigkeiten? Gibt es eine gemeinsame Wertvorstellung (Verwaltungskultur)? Wie kann man Verwaltung als Forschungsthema stärken? Es fällt z.B. auf, dass die universitäre Soziologie das Thema Verwaltung weitgehend der Politologie überlässt. Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen wünschten sich eine Fortsetzung des Dialogs zwischen Wissenschaft, Beratung und Praxis. Dabei soll künftig an ausgewählten Beispielen (z.B. aus Kommunen) diskutiert werden wie Reformen durchgeführt worden oder gescheitert sind und welche Rolle Sozialwissenschaft bei Reformprozessen spielt.

Unterbringung
Die Unterbringung erfolgte im Hotel am Park in Fröndenberg. Das Hotel liegt verkehrsgünstig, aber ruhig. Unterbringung, Essensversorgung und Tagungsraum waren gut und preisgünstig, der Service war freundlich.

pdf  SoziologInnen in der Verwaltung nach Ressorts 


 

 

 
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