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Metropole, Oligopole oder Gegenpole –
Der Strukturwandel des Ruhrgebiets aus Sicht der Gestaltungspraxis

Eine Diskussionsveranstaltung mit SozialwissenschaftlerInnen im Rahmen der ersten Regionalkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und dem BDS in der Metropolregion Ruhrgebiet fand am 30. September 2009 in der Ruhruniversität Bochum statt.

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von links:
Dr. Wolfram Breger, Dieter Baier, Dr. Doris Beer, Marcus Kalbitzer, Claudia Quirrenbach, Landrat Jochen Welt

Das Gestalten von Identität – Zwischen Vision und Basisarbeit.
Diskussionsveranstaltung des BDS zum Thema „Metropole Ruhr (?)“ am 30.9.2009

Im Rahmen der dreitägigen Regionalkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Soziologie: „Strukturwandel zu Metropolen? Organisation – Kultur – Produktion” war der BDS eingeladen, eine Diskussion zum Thema aus Sicht der Gestaltungspraxis durchzuführen. Auf dem Podium in der Ruhr-Universität Bochum saßen an diesem letzten Konferenz- und Septembertag Dieter Baier, Dezernent der Fachhochschule Dortmund, Dr. Doris Beer, Forscherin und Beraterin zu Berufsbildung und Arbeitsmarkt, Marcus Kalbitzer, Inhaber der Agentur „Kulturzentrale“, Claudia Quirrenbach, Leiterin sozialer Projekte der beruflichen Qualifizierung und Gesundheitsförderung, und Hans-Joachim Welt, Landrat des Kreises Recklinghausen. Die Moderation hatte Dr. Wolfram Breger, Stellvertretender Vorsitzender des BDS.
Im Vordergrund standen zunächst die verschiedenen Sichtweisen auf die Stärken und die Identität der Region: deren Vielfalt und Vielseitigkeit in Kultur, Sport, Natur und Freizeit, die die Dichte der Hochschul- und Bildungslandschaft, die Menschen mit ihren Erfahrungen und ihrer örtlich-regionalen Verbundenheit, das Ruhrgebiet als „Arbeitszusammenhang“, als „Markt der Möglichkeiten“. Eine Blitzumfrage von D. Beer an alle Anwesenden: 'Woran erkennen Sie, dass Sie sich im Ruhrgebiet befinden?' ergab durchaus unterschiedliche Nennungen, vom Kiosk an der Ecke (dem „Büdchen“) bis zum Nebeneinander von alter Industrieanlage, Museum und Radweg. Kurz, „man“ hat eine Vorstellung von der Identität der Region, auch wenn diese in der jeweiligen Wahrnehmung unterschiedlich ausfällt.
Einen großen Raum nahmen in der Diskussion die Problemlagen ein: die verwaltungsmäßige „Überstrukturierung“ bei gleichzeitigem Fehlen einer politischen Repräsentanz des Ruhrgebiets und einer integrierenden Persönlichkeit an der Spitze als „Gesicht der Region“ (Welt); die Integration der Einwohner mit Migrationshintergrund in der 2. Generation, der Zusammenhang von Bildung und Sozialstruktur und die Gefahr der Abkoppelung einzelner Milieus (Quirrenbach, Beer), nicht zuletzt die „desolaten Zustände“ bei Grund- und Hauptschulen und die Tendenzen zur Kinderarmut (Kalbitzer, Welt); die Frage der demokratischen Legitimation der Entwicklungsplanungen der Region (Baier). Angesichts solcher Befunde muss dann die großdimensionierte Errichtung repräsentativer Büro- und Verwaltungszentren wie das ThyssenKrupp-Hauptquartier in Essen als befremdlich erscheinen (Kalbitzer). Das Element „Konflikt“ wäre in eine Konzeption von „Ruhrgebiet“ oder „Ruhrstadt“ einzubauen (Beer).
Das Ruhrgebiet steht an der Spitze der demografischen Entwicklung, die auf ganz Deutschland zukommt und kann von daher als Labor für neue Wege gelten (Quirrenbach). Die Potenziale dieser Großregion sind unbestritten; in den Köpfen der Menschen müsste dies jedoch deutlicher verankert werden: in der Globalisierung verkaufe sich die Region „unter Wert“ (Welt).
Im Publikum blieben manche Einschätzungen der Podiumsteilnehmer nicht unwidersprochen. Es gehe um „Visionen und Zukunftsorientierung“ und nicht um „kleinteiliges Problemesuchen“, so eine sehr dezidierte Meinungsäußerung aus eher administrativer SIcht; dass dieser Ballungsraum sich nicht mit Weltstädten wie Paris oder London vergleichen könne, eine andere. Wohin auch immer die Reise geht, es geht nicht ohne die Menschen (Baier). Ein Plenumsteilnehmer brachte die Diskussion für die Mehrheit der Anwesenden auf den Punkt: „Authentizität“ sei das oberste Kriterium für die Weiterentwicklung der Region.

 
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