Treffen 13.03.2007 PDF Drucken E-Mail

Das Missverständnis: Sozialwissenschaft und Politik zwischen gegenseitiger Über - und Unterforderung.

Universität Hohenheim im Hörsaal 31 am 13. März 2007 um 17.00 Uhr.

Jost Wagner
(Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V.) hielt einen Vortrag mit dem Titel "Politische Verwendung agrarwissenschaftlicher Beratungsangebote. Die Rolle der Agrarwissenschaften in der politischen Entscheidungsfindung", der Anlass zur Diskussion geben sollte.

Sozialwissenschaften sind schwierige Wissenschaften. Aber die Schwierigkeit erwächst nicht aus ihrem Wahrheitsanspruch, der nur vage zu vertreten ist - ein Problem, dass heute viele Disziplinen haben. Auch nicht die Fremdheit ihres Gegenstandes hält die Sozialwissenschaften von einem eingängigen Verständnis ab. Im Gegenteil, ihre Nähe zur Gesellschaft, deren Reflexion sie betreibt, scheint die Quelle nicht enden wollender Miss- und Selbstmissverständnisse zu sein. Das Verhältnis zwischen Polititk und Sozialwissenschaft erhält daraus spannungsreiche Impulse. Wie alle Wissenschaft konnte sich auch dieser Wissenschaftszweig als spätes Kind der Minerva nur wegen der Alimentierung durch die Politik etablieren. Die Finanzierung der Steuergelder weckt die gegenseitigen Erwartungen, die zu frustrierender Enttäuschung oder Selbstverleugnung führt. Am Ende verwechseln sich beide mit Ökonomie. Die Ursache für das gegeseitige Missverstehen ist in den verschiedenen Funktionsweisen dieser beiden Systeme auszumachen. Müht sich das eine um Wahrheit, kämpft das andere um Macht. Aber um Macht zu erhalten, liegt die Berufung auf Wahrheit nahe, will man um Wahrheit ringen, kann Macht nützlich sein. Das Zusammentreffen unter dem Schein des aus der Ökonomie geborgten Begriffs der Nützlichkeit hat die Kraft, die jeweilige Eigenlogik zu korrumpieren. Nur die Besinnung auf das eigene Potential bietet hier einen Ausweg, die distanzierte gegenseitige Beobachtung des Anderen.

Die Frage, wie das möglich ist, soll Anlass für eine neue Diskussion sein, die nicht nur von akademischem Interesse ist, sondern das Selbstverständnis all jener Soziologen und Sozialwissenschaftler tangiert, die sich dem rauen Wind der "Praxis" aussetzten. Als Einstimmung dazu konnte Jost Wagner gewonnen werden, der an der Schnittstelle von Umweltforschung und -politik agiert.

Das Kolloquium wurde an der Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialwissenschaften des Agrarbereichs, Fg. Land- und Agrarsoziologie mit Genderforschung durchgeführt. Hörsaal 31,  17.00 Uhr. (Museeumsflügel gegenüber der Speisemeisterei)

 
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